13. Februar 2017

Ich bin doch multitaskingfähig!

 

Wie oft hören wir diesen Satz, der gerne mit einem Lächeln gesagt wird, oder gar mit einem Blick, der zeigt, dass das Gegenüber stolz auf diese Fähigkeit ist. Aber wie steht es mit der Fähigkeit ein Ziel oder eine Aufgabe klar zu fokussieren und dieses Ziel effizient, effektiv und erfolgreich zu verfolgen?

Wie geht es Ihnen, wenn Sie an einer Präsentation, einem Brief oder einer Projektplanung sitzen, die wirklich wichtig für Sie und Ihre Arbeit ist ...und plötzlich macht es „Pling“? Sind Sie standhaft die Nachricht nicht zu lesen oder irritiert Sie bereits der Meldeton und Sie fragen sich was wohl in der Nachricht steht? Öffnen Sie die Nachricht, lesen sie und bearbeiten gar den Vorgang?

Wenn Sie jetzt zur ursprünglichen Arbeit zurückkommen, was machen Sie? Gegebenenfalls lesen sie erst einmal den letzten Absatz, um den Faden wiederaufzunehmen, oder gar das ganze Dokument. Ist das nicht eine Verschwendung von Zeit, weil man sich wieder neu justieren oder orientieren muss? Und das geschieht nicht nur als „kleine“ Störung mehrmals am Tag, sondern auch durch große Aufgaben. Welche(r) ProjektleiterIn oder welche(r) MitarbeiterIn soll nicht zwei oder drei Projekte parallel betreuen und bearbeiten? Wenn er/sie wirklich gut ist, kann er oder sie doch gleich fünf Projekte „schaukeln“.

Dabei passiert, dass der Umfang an Orientierungszeit exponentiell ansteigt und somit viel Zeit verschwendet wird. Bei Maschinen spricht man von Rüstzeiten, wenn von einem Produkt auf das Andere umgestellt wird, und versucht diese möglichst zu vermeiden, um produktiv, qualitativ hochwertig und kostenoptimal zu produzieren. Ich bin durchaus kein Freund davon Menschen mit Maschinen zu vergleichen, im Gegenteil. Aber auch wir haben Rüstzeiten – geistige Rüstzeiten. Störungen und Unterbrechungen haben großen Einfluss auf unsere Produktivität und die Qualität unseres Tuns, sowohl im Beruflichen als auch im Privaten. Sie sind Fehlerquellen und vor allem auch Stressfaktoren mit teilweise großem Einfluss und Ausmaß.

Studien zum Beispiel zeigen, dass die Fertigstellung von komplexen Themen, die man bereits weit bearbeitet hatte und dann 3 Wochen beiseitelegt, bis zu 20-mal länger dauern, als wenn man die Thematik gleich abgeschlossen hätte.

Sollten wir die Fähigkeit zu fokussieren und zu priorisieren nicht höher einschätzen als eine vermeintliche Multitasking-Fähigkeit? Sollten wir nicht wieder lernen klare Prioritäten zu setzen und ein Ziel in den Fokus zu nehmen? Sie mögen jetzt sagen, dass das in der digitalen Welt sehr schwierig oder unmöglich ist.

Aber wagen wir doch einen Blick auf das Silicon Valley und dessen Arbeitsweisen. Dass man sich klar fokussiert, sich teilweise/zeitweise von der Außenwelt isoliert ist sehr üblich, um schnell und effizient voranzukommen. Die Entwickler von Plattformen für E-Mail und andere Kommunikationsmedien arbeiten gezielt zeitweise ohne Einfluss dieser Medien und ziehen einen engen persönlichen Kontakt vor. Warum?

Persönlicher Kontakt, Priorisierung und Fokus werden in der digitalen Welt umso wichtiger für uns sein, um innovativ, effizient, schnell und erfolgreich zu sein und die Stressfaktoren im Griff zu halten – für sich und andere.

Dies ist sicherlich nicht einfach, aber wir müssen uns dessen bewusst sein.

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